Nuits-Saint-Georges & Chambolle-Musigny:
Eine Studie des Kontrasts
19. März 2025 | Alexander Mackh, Co-Founder of Amelie
Burgund ist eine Region, in der jedes Detail zählt. Der Boden, die Hanglage, das Klima – all diese Faktoren prägen den Charakter der Weine. Im Zentrum dieser Komplexität steht der Pinot Noir, eine Rebsorte, die von Präzision und Transparenz lebt. Nirgendwo wird dies deutlicher als in der Côte de Nuits, wo der Pinot Noir seine grösste Ausdruckskraft entfaltet. Innerhalb dieses kleinen Landstrichs stechen zwei Dörfer besonders hervor: Nuits-Saint-Georges und Chambolle-Musigny. Obwohl sie dieselbe Rebsorte teilen, könnten ihre Weine nicht unterschiedlicher sein.

Der Unterschied beginnt unter der Oberfläche. Chambolle-Musigny liegt auf hellem, kreidehaltigem Kalkstein, der gut drainiert und die Reben dazu zwingt, tief nach Nährstoffen zu suchen. Das Ergebnis sind Weine, die für ihre Finesse und aromatische Reinheit bekannt sind. Nuits-Saint-Georges hingegen weist eine Mischung aus Kalkstein, Ton und Mergel auf. Der höhere Tonanteil speichert mehr Wasser, was den Weinen mehr Struktur, Tiefe und Kraft verleiht. Diese Bodenunterschiede beeinflussen das Wachstum der Reben – und letztlich den Geschmack der Weine.
Auch das Klima spielt eine entscheidende Rolle. Chambolle-Musigny ist etwas geschützter, mit einer sanften Hanglage, die für gleichmässige Sonneneinstrahlung und moderate Temperaturen sorgt. Dies ermöglicht eine stetige Reifung der Trauben und ein harmonisches Gleichgewicht. Nuits-Saint-Georges hingegen weist größere klimatische Schwankungen auf. Einige Weinberge liegen höher, wo kühlere Temperaturen die Reifung verlangsamen und die Säure erhöhen. Andere sind von trockenen Tälern, den sogenannten Combes, beeinflusst, die kalte Luft einbringen und zu stärkeren Temperaturschwankungen führen. Diese Unterschiede erzeugen innerhalb des Dorfes eine grössere stilistische Vielfalt – von straff und strukturiert bis hin zu kraftvoll und konzentriert.
Während die Natur die Grundlage schafft, formen die Entscheidungen des Winzers den endgültigen Ausdruck. Einige Erzeuger arbeiten mit Ganztraubenvergärung, während andere vollständig entrapptes Lesegut bevorzugen. Manche setzen auf den Ausbau in neuem Eichenholz, andere auf neutrale Fässer. Die Dauer der Mazeration, die Wahl des Gärbehälters und der Umgang mit der Extraktion – all diese Faktoren prägen den Charakter des Weins. Und obwohl viele Winzer betonen, dass sie lediglich das Terroir sprechen lassen, hinterlassen ihre Entscheidungen unweigerlich einen bleibenden Eindruck.
Burgund wird oft als eine Region betrachtet, die durch ihr Klassifikationssystem geprägt ist, das die Weinberge in Village-, Premier-Cru- und Grand-Cru-Lagen unterteilt. Chambolle-Musigny beheimatet den Grand Cru Musigny, während Nuits-Saint-Georges keine Grand-Cru-Lagen besitzt – obwohl manche der Ansicht sind, dass Weinberge wie Les Saint-Georges diesen Status verdienen würden. Doch jenseits dieser Bezeichnungen zählt letztlich die Identität jedes einzelnen Weins.
Trotz ihrer Unterschiede verfolgen Nuits-Saint-Georges und Chambolle-Musigny ein gemeinsames Ziel: den Pinot Noir in seiner reinsten Form zum Ausdruck zu bringen. Die Weine aus Chambolle sind geprägt von kalkhaltigen Böden, moderaten Temperaturen und präziser Weinbergsarbeit. Die Weine aus Nuits, mit ihren vielfältigen Böden und wechselnden klimatischen Einflüssen, zeigen oft mehr Struktur und Kraft. Doch unabhängig davon, woher ein Wein stammt – jede Flasche erzählt eine Geschichte von ihrem Terroir, dem Klima und den Menschen, die sie zum Leben erwecken.